Vor etwa drei Jahren lagen, auch im Herbst, unsere Nerven blank: Wir konnten nicht mehr bei offenem Fenster schlafen, da die Kuhglocken auf der Weide nebenan noch lauter waren als die unseligen Kirchglocken. Ein Bericht im Langenthaler Tagblatt schaffte Abhilfe – die Glocken wurden abgenommen. Wir konnten das Fenster im Schlafzimmer wieder öffnen und ungestört durchschlafen, bei frischer Luft und ohne Rindvieh-Lärm.
Seit dem 15. September dieses Jahres ist wieder die Hölle los – der Bauernterror hat eingesetzt, die Rinder läuten wieder nachts. Der damals zuständige Bauer hat zwar seinen Viechern die Glocken, tagsüber und auch nachts, abgenommen und lässt das Vieh friedlich grasen (für Ortskundige, das sind die schwarzen Rindli). Ein anderer Bauer aber hat noch nicht eingesehen, dass er hier gegen das Bundesgesetz zur Nachtruhe verstösst – dass er riskiert, zu einer Busse und Schmerzensgeld verurteilt zu werden. Dieser Bauer hat die braunen Rinder, die sich da durch die Nacht bimmeln und uns wach halten. Oder dazu zwingen, die Fenster zu schliessen, damit wir wenigstens ein paar Stunden dösen können. Wen wundert es, wenn wir diesem Bauern die Blauzungen-Krankheit in den Mund wünschen: Was dieser Mann macht, ist reiner Terror, ist Mobbing der schlimmsten Art. Und das gehört bestraft, denn: Die Nachtruhe ist ein Menschenrecht und wurde mehrmals von den Gerichten und sogar vom Bundesgericht bestätigt.
Nur kümmert das unseren örtlichen Polizeichef (in Personalunion mit dem Gemeindepräsidenten) wenig: Vor Jahren war er einmal tagsüber in der Nähe unseres Hauses und beschied uns dann, dass er keinerlei Lärm gehört habe. Zudem würden wir halt auf dem Lande leben. Wir haben ihn dann eingeladen, doch einmal bei offenem Fenster in unserem Gästezimmer zu schlafen – der Einladung kam dieser Mensch (Lehrer ist er auch noch) nicht nach. Vielleicht wollte er lieber in Ruhe schlafen…
Nun haben wir uns bei der IG Stiller gemeldet. Und auf deren Seite gelesen, dass wir keineswegs die einzigen Menschen sind, die unter dem nächtlichen Rinderwahn leiden. Was uns einerseits im Glauben auf Besserung (nötigenfalls durch ein Gerichtsurteil) bestärkt. Was dann aber andererseits zu weiteren Schikanen durch unsere Bauern führen könnte. Nun: Der Bauer, dessen Rindvieh uns die Nächte verdirbt, wird jedenfalls kräftig zur Kasse gebeten werden: Kritikerfrau zittert nur noch, tagsüber, weil sie nachts nicht schlafen kann. Kritiker selbst kann nicht mehr konzentriert arbeiten, weil ihm der Schlaf fehlt. Kritikerfrau wird sich wohl in eine Klinik begeben müssen – das kostet dem Bauern wohl seine Subventionen. Ein Arztzeugnis liegt bereits vor.
Kritiker kann nur sagen: Ein spannender Herbst steht bevor. Und: weg mobben lassen wir uns nicht – schliesslich ist Kritikerfrau Baslerin. Und die Basler haben ebenso harte Köpfe wie diese Bauern hier im Oberaargau.
NACHTRAG: Die Kritikerfamilie war letzte Woche in Basel. Über die Landstrasse entlang des ÖV, über die Autobahn, wieder über Landstrassen. Überall waren Rinder und Kühe auf den Weiden. Und nirgends sahen die Kritiker ein einziges Rindvieh, dass eine Glocke trug. NIRGENDS. Denn selbst neben der Autobahn setzen die Landwirte auf den Elektrodraht, wie er auch auf der Weide in Aarwangen vorhanden ist. Was schliesst die Kritikerfamilie daraus? Reines Mobbing, was hier passiert.