Manchmal wiehert der Amtsschimmel so laut, dass sogar Redaktoren und Zeitungsmacher darob erschrecken. Das ist immer dann so, wenn die saure Gurkenzeit angebrochen ist und die Politiker doch noch irgendwie in einer Zeitung, wenn es möglich ist, gleich überregional präsent sein wollen. Zwei Beispiele von schweizweiter Bedeutung.
Beispiel 1: Nach dem Muster von Deutschland wollen nun gewisse Kantone in der Schweiz die Autobahnen aufreissen und so genannte Rüttelstreifen einbauen. Diese sollen bewirken, dass Lastwagenfahrer nicht plötzlich einschlafen - es rüttelt ja. Ein paar Testversuche laufen schon seit Jahren - und Kritiker wusste nicht, dass dies bewusst so konstruiert worden war. Er dachte nur immer: Diese Autobahn gehört saniert - Schanzenspringen muss auf der Autobahn nicht sein.
Aber sehet - es wird wieder neue Baustellen geben, neue Arbeitsplätze werden geschaffen und dann rüttelt es mal von der Oma im Fonds bis zum Kleinkind zu richtig schön durch. Für das haben wir ja Autobahnen…
Beispiel 2: Noch sinnvoller ist die Bewilligungspflicht für Verwandte, also Onkel, Tanten, grosse Geschwister, Grosseltern, um Kleinkinder tagsüber zu hüten, also zu betreuen, weil die Eltern beide berufstätig sind und tagsüber in irgendwelchen schlecht gelüfteten Büros oder an Werk- und Schlachtbänken stehen.
Dieser “Betreuungsdienst” soll künftig unter strengen Kontrollen stehen; die Kontrolleure und Kontrolleurinnen können unangemeldet ins Haus kommen und die Bewilligung verlangen. Ansonsten: Abtransport des Babys oder Kleinschülers. Freut Euch, Ihr Bürostuten und -hengste - da gibt es aber Arbeit. Aber die Ausrede ist schon fix und fertig formuliert: “Wir schaffen neue Arbeitsplätze.” Kritiker weiss ja nicht, wie viel Schindluderei mit diesem neuen Gesetz getrieben wird.
Nebenbei bemerkt: Das ist kein verspäteter Aprilscherz. Die wollen das in der Schweiz wirklich einführen. Und es soll auch nicht erlaubt werden, so die Medien, dass die Grosseltern extra aus dem Tessin nach Basel reisen, um während zweier Wochen auf das Kleinkind aufzupassen - jedenfalls nicht ohne Bewilligung. Dass eine solch amtlich-staatliche Bewilligung nicht umsonst ist, versteht sich von selbst - irgendwer muss ja diese Aufpasser von Staates wegen bezahlen.
Seldwyla lässt grüssen. Als nächstes kommt dann das Rasenmähverbot am Samstag, das Heckenschneideverbot am Mittwoch und irgendeinem Politiker kommt noch in den Sinn, dass es zu gefährlich sei, Schulwege ohne Bewachung zu lassen: Also überall einen Streckenposten aufstellen. Statt endlich mal Umfahrungsstrassen, wie seit Jahren gefordert, zu bauen.
Das Pünktchen auf dem “i” ist noch nicht gesetzt. Hätte Kritiker nämlich noch Kinder zwischen 3 und 15 - er würde sie trotzdem zu seinen Tanten, Omas, Opas oder dem Onkel bringen. Die würden mit ihnen dann wenigstens die Hausaufgaben machen, statt sie vor der Glotze verkommen zu lassen…