Kritiker hat sich lange überlegt, nachdem hierzulande gegen die Religionsfreiheit , resp. über das Verbot von Minaretten, abgestimmt worden ist, ob er den Adventskalender/Geschenkratgeber dieses Jahr publizieren soll. Nach eingehender Beratung in der Familie war klar: Von diesen SVP-Heinis und -Henriettas lassen wir uns doch den Abend nicht verderben.
Also: Hier das erste Türchen…
Geschenk gesucht? Für die Mutter? Kritiker kann da zuerst einmal ein herrliches, lustiges und besinnliches Buch aus dem SHAKER-Media Verlag empfehlen: „Mütter sind wie Felsen in der Brandung.“ Kleine, kurze Geschichten, die eine Journalistin und Mutter von drei Kindern geschrieben hat – Geschichten mitten aus dem Leben einer Mutter.
Ilsemarie Straub-Klein hat auf rund 110 Seiten aus ihrem eigenen Leben geschrieben. So macht es den Anschein, wenn man das Buch gelesen hat – ein Buch, das sich übrigens auch sehr gut zum Vorlesen am Bett eines Kindes eignet. Und Kritiker ist froh, dass er damit den Adventskalender 2009 eröffnen kann.
ISBN: 978-3-86858-183-6
Manchmal kommt sich Kritiker wie der grösste Trottel vor. Das passiert auch anderen Menschen, aber nach der Lekture des im Titel genannten Buches hat sich Kritiker gefragt, was er dabei gelernt hat. Nichts.
Eigentlich dachte Kritiker, dass dieses Buch für EINSTEIGER und für Fortgeschrittene geschrieben sei. Also, mal munter drauf lesen und gleich ausprobieren. Das Lesen hat geklappt - das Ausprobieren nicht. Vermutlich wird sich Kritiker da in einen Nachhilfekurs “Wie lese ich ein Fachbuch” und in den Folgekurs “Wie setze ich das Fachbuch in die Praxis um” begeben müssen. Denn empfehlen kann Kritiker die 405 Seiten wirklich nicht…
…Denn Kritiker möchte eigentlich nur einen neuen Blog aufsetzen. That’s all. Aber trotz Lektüre, trotz Stichwort - und Inhaltsverzeichnis - er hat nichts gefunden, das da irgendwie Hilfe bietet. Jetzt wird sich Kritiker wohl noch “Wordpress für Dummies” anschaffen müssen. In der Hoffnung, dass er das Buch für Trottel dann wirklich auch versteht. Vielleicht. Die Hoffnung gibt Kritiker nicht auf…
Und sonst liegt es wohl wirklich am Alter…
Verlag: Data Becker
Was da der Autor Erwin Riess seinem Helden, dem Herrn Groll, alles zumutet, sprengt die Grenzen der Schwerkraft und des geschichtlichen Verständnisses, Denn „Groll auf Reisen“ führt uns vom Hudson über das Guggenheim Museum ins Greenwich Village, vom Londoner Westend über Irland an den Vierwaldstättersee, zu den Hunden von Piräus und dann ab nach Zypern, von Port Said nach Bad Doberan, von Krems an der Donau bis nach Graz. Kurze Storys…
Kritiker nimmt das Buch gerne mit, wenn er mit dem Zug unterwegs ist. Dann kann er einfach mal nachdenken, laut lachen (in der ersten Klasse ist das zwar verpönt!), oder einfach nur hämisch grinsen – Riess bringt es auf den Punkt und Kritiker kennt so manchen Zipfel dieser Welt, den auch der Autor beschreibt. Allerdings sieht Riess das meist anders, seltsamer, komischer, ernster, verdrehter.
Aber das ist ja der Zauber dieser Kurzgeschichten. Unbedingt empfehlenswert.
Otto Müller Verlag, Salzburg
Da unsere gesammelten Fernsehanstalten gerne auf Filme setzen, die uns das Leben im Mittelalter näher bringen möchten, aber meistens mehr Kitsch als Klassik ins Wohnzimmer bringen, sei für einmal auf ein Buch hingewiesen, das Kritiker einen neuen Blick in jene seltsame Zeit ermöglichte. Robert Hasz schrieb einen grossartigen Roman, der leider von der Literaturkritik zu wenig beachtet worden.
In „Der Herrscher der Seelen“ bricht ein Mönch des Klosters St. Gallen (Schweiz!) auf, um den Ungaren im Namen des Papstes ein Friedensangebot zu überbringen. Die Reise ist beschwerlich genug, als der Mönch Alberich aber merkt, dass ihn der Abt des Klosters zum „toten Menschen“ erklären ist, wird ihm auch klar, warum er verschleppt worden ist, warum er plötzlich eine ihm völlig unbekannte Sprache sprechen und lesen kann und weshalb ihm wegen eines eigenartigen Amuletts viele Menschen jagen und verschleppen.
Fazit: Ein Roman, der tief in die Abgründe der Kirche blickt und eigentlich gar nicht so mittelalterlich ist…
Verlag: Klett-Cotta

Die Politik von Adenauer über die Hamas bis hin zur Zweitstimme behandelt der
- das sind über 500 Seiten geballtes Wissen, das ist ein Nachschlagewerk, dass sogar Online-Redakteuren gut anstehen würde, so sie lesen mögen, statt aus dem Kopf zu zitieren. Ein dicker Wälzer, von Kritikerfrau auch schon mal als Totschläger bezeichnet wegen seines Gewichtes.
Aber auch ein Buch, eben ein Wälzer, der eigentlich zu jedem einigermassen an Politik interessierten Menschen gehören würde - eine Art Geschichtsbewältigung bis vorgestern. Doch wir alle dürfen uns freuen: Der Brockhaus hat bereits die neue Auflage 2009 herausgegeben - noch aktueller, noch umfassender, noch interessanter und noch ein bisschen dicker. Und Kritiker denkt sich, dass spätestens in drei, vier Jahren der ganze Band in zwei Teile zerlegt werden muss - sonst lässt sich das wohl politischte Buch dieses Jahrzehnt gar nicht mehr von der Buchhandlung nach Hause auf das Nachttichli transportiert werden kann.
Wie auch immer - für Kritiker gehört der Brockhaus Politik 2008 zu den Meisterwerken der Lexika dieses Jahrhunderts. Auch für Menschen, die mit Politik nichts am Hut haben, nicht wählen gehen, nicht abstimmen, aber vor der Glotze dann Dinge behaupten, die längst dank dem Politik-Lexikon widerlegt sind…

Vorsicht. Das Navi ist nicht getestet. Aber die Pressemitteilung liest sich nett und angenehm…
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Tönt ja alles gut. Und ist scheinbar auch gut, wie Kollegen berichten. Nur sagte man mir, dass so ein Gerät hier in der Schweiz verboten sei, etwa so, wie das Benutzen eines Handys am Steuerrrad.
Elisabeth Reichart, an dieser Stelle schon mehrmals vorgestellt, legt einen Roman beim Otto Müller Verlag vor. Der Titel alleine ist schon vielversprechend: “Die unsichtbare Fotografin.” Ein Roman, den Kritiker in einer acht durchgelsen hatte - fesselnd, lähmend, Selbstbewusstsein weckend.
Für einmal ist der Titel des Buches mit dem Inhalt sehr verwandt. Die Überlegungen der Autorin zum Thema “Berufsfotografen” sind wohl kaum nachempfunden, sondern kommen auf knapp 300 Seiten direkt zum Leser - also auch ein Buch für den Hobby-Knipser.
Eine berührende Geschichte, die eine ganze Welt- und Lebensphase einbezieht, die Kamera, die Reisen, und plötzlich das Erwachen, dass Bilder nichts anderes sind als die Verzerrung der Realität. Für Kritiker eines der besten Bücher dieses Jahres.

1968 war Michael Amon gerade mal 14 Jahre alt. Doch seine Reflexionen dieses bewegenden Monats Mai 1968 sind mehr als lesenswert - vor allem für nicht Österreicher. Wir hier in der Schweiz haben uns mehr nach Paris orientiert und nach Zürich - Austria - was lief dort denn schon?
Der Autor zeigt dem Leser, dass die “Revolution” auch in Felix Austria durchaus ein ernstes Thema war. Und er bringt dem Kritiker ein Stück Vergangenheitsbewältigung näher. Das ist gut so. Und das Buch kann nur empfohlen werden, nicht nur für Althippies und Alt-Apos, die jetzt in Nadelstreifen und mit Armanikrawatten herum laufen…
Erschienen im Molden-Verlag. Und sicherlich ein Geschenk für alle, die noch immer Mamas & Papas und Frank Zappa hören…
Das musst Du lesen. Ein Lehrer, der seine Schule ausfallen lässt und irgendwo in einen Zug einsteigt. Und in Lissabon ankommt.
Gut so, ich habe da meine Affinitäten mit der Bevölkerung dort. Aber das Buch habe ich schon mehrmals gelesen und denke immer noch, ich bin noch nicht durch.
Vielleicht werde ich doch noch eîn Portugalianer?
Robin Hobb: Die Schamanenbrücke
Da kann Kritiker nicht viel dazu sagen. Ein Buch, das in Ohren klingt, bevor die ersten zehn Seiten gelesen waren. Fantasie vom Besten oder doch Realität? Die Autorin schreibt wie ein Mann – und diese Unterschiede kennt Kritiker genau – über Zauberei, über Dinge, die nicht erfassbar sind, es sei denn, der Leser will sie finden, irgendwo.
Ganz einfach eines der liebsten Bücher im bevorzugten Büchergestell, direkt neben dem Bett. Und wenn dann der zweite Band erscheint, freut sich Kritiker schon heute darauf – denn der Kämpfer auf der Schamanenbrücke, der Nevare, wird irgendwann alle Zaubereien besiegen. Die Autorin jedenfalls gehört in den Himmel der Fantasiedichter, etwa neben Tolkien.
Und es wundert wohl keinen Leser mehr, dass auch dieses Buch von Klett-Cotta stammt - herrlich gemacht, bestens gesetzt und vor allem: Mensch sollte das mal lesen…