…sagte Kritikers Vater früher einmal. Und Kritiker hat sich das zu Herzen genommen und fährt meistens mit dem Zug nach Zürich. Bequem, still (meistens), und schneller als mit dem Auto. Doch seit vorgestern ist er sich da nicht mehr so sicher, ob alleine schon die Warterei am Bahnhof im Dorf, das sich nun auch offiziell Stadt nennen darf, etwas bringt. Denn da geschah folgendes:
Kritiker wollte sein Ticket nach Zürich und zurück kaufen. In der Schalterhalle, denn dort war es deutlich wärmer als am Automaten. Zwei Schalter waren geöffnet. Am ersten sassen zwei Ladies der SBB, die sich eifrig über irgendetwas unterhielten, das Kritiker nicht verstand. Aber sie waren so ins Gespräch vertieft, dass sie gar nicht erst schauten, ob da jemand Kunde werden möchte.
Am zweiten Schalter stand dann ein Schild, das Kritiker zu denken gab. Text: „Keine Lust auf Warten? Der Automat wartet auf Sie!“ Das ist echter Kundendienst. Am dritten Schalter war vor Kritiker ein Mann, der irgendwelche finanziellen Transaktionen in irgendein fremdes Land abwickeln wollte. Ausweis vorlegen, die Dame machte dann eine Kopie, dann all den Papierkram unterschreiben. Kritiker sah auf die Uhr – in zehn Minuten wäre der nächste Zug nach Zürich fällig. Die beiden Ladies am Schalter Nummer Eins quasselten immer noch. Die Dame am Schalter Nummer Drei war verschwunden, sie musste den Ausweis kopieren. Am zweiten Schalter wurde Kritiker weiterhin an den Automaten, der in der Kälte wartete, verwiesen. Aber irgendwann klappte es dann, der dritte Schalter wurde frei, Kritiker bekam sein Billet und huschte die Treppe runter und dann eine Treppe rauf und stand auf dem Bahnsteig. Dann auf der elektronischen Anzeigetafel gesucht, in welchem Abschnitt (A, B, C oder D) wohl die erste Klasse sein könnte.
Kritiker entschied sich für den Abschnitt A, der war dann zuvorderst, so dass da in Zürich sehr schnell der Treffpunkt erreicht werden könnte. Nur war das halt eine Rechnung ohne Zugführer, resp. ohne SBB-Logik. Kritiker sprintete nach der Einfahrt des Zuges in den Abschnitt B auf dem Bahnsteig, denn der Zug war vermutlich kürzer als sonst. Dort dann durchgefroren einen Sitzplatz gefunden. Aufschnaufen.
Und heimlich gedacht: Was könnte die SBB noch besser machen, um ihre treuen Kunden zu vergraulen? Kritiker bietet sich im Nebenberuf gerne als Kundenvergrauler an - Ideen gibt es da genug…